Wie finde ich den richtigen Therapeuten?

Immer wieder werde ich gefragt, wie man denn einen „guten Therapeuten“ findet.

Meine Antwort: Du musst dich mit ihm absolut wohlfühlen und das Gefühl haben, dass du mit ihm auch schwere Zeiten durchstehen kannst.

Das sagt auch die Psychotherapieforschung und nennt es „Passung“. Dabei zeigen Studien, dass die Passung sogar mitunter bedeutender für den Therapieerfolg ist als die Therapieform. Wobei die Therapieform natürlich auch bedeutenden Einfluss hat.

Deswegen sollte man sich auf jeden Fall vor Beginn einer Therapie mehrere Therapeuten anschauen. Dafür gibt es die probatorischen Sitzungen, sogenannte „Testsitzungen“, in denen man testen kann, ob es mit dem Therapeuten passt. In Zeiten, in denen erfahrene Therapeuten Wartezeiten von bis zu einem Jahr haben, ist das leicht gesagt. Es lohnt sich aber auf jeden Fall!

Ich habe sicher mit Unterbrechungen 10 Jahre Psychotherapie hinter mir und gehe immer noch alle 6 Wochen zur Prophylaxe zu einer kognitiven Verhaltenstherapeutin. Teilweise gab es Phasen, wo ich zum Selbstzahler wurde, da man 2 Jahre nach einer Therapie warten muss oder das Verfahren wechseln, damit die Krankenkasse weiterzahlt.

Ich habe einmal von kognitiver Verhaltenstherapie zu analytischer Psychotherapie nach C.G Jung gewechselt, die ich dann aber abgebrochen habe, als mein Vater fast gestorben wäre und ich in einem zu destabilisierten Zustand war. Ich bin dann wieder zu meiner kognitiven Verhaltenstherapeutin zurückgekehrt.

Diese kognitive Verhaltenstherapeutin ist für mich optimal passend, weil sie meiner Mutter ähnelt, aber eine ganz wesentliche Eigenschaft besitzt, die dieser gefehlt hat: emotionale Wärme und Sensibilität. Zudem hat sie mehrere Therapieausbildungen und ist auch als Lehrtherapeutin und Supervisorin tätig. Sie wollte mich schon oft aus der Therapie „rausschmeißen“, was ein sehr gutes Zeichen ist, denn Therapeuten sollen die Selbstständigkeit von Patienten fördern. Jetzt haben wir den Prophylaxe-Deal, es ist nicht mehr richtig Therapie, sondern eigentlich Coaching, um Phasenauslösern entgegenzuwirken.

Es ist wichtig, bei der Therapeutensuche auf das eigene Bauchgefühl zu hören: Will ich mich lieber einem Mann oder einer Frau anvertrauen? Soll der Therapeut alt oder jung sein?

Oft ist es auch hilfreich bei Therapieinstituten anzufragen und sich Empfehlungen geben zu lassen, wer gerade Patienten aufnimmt und auf das eigene Störungsbild spezialisiert ist. Wahllos im Internet Therapeuten anzurufen, ist wenig zielführend. Man kann auch bei Kliniken in der Stadt, in der man ist, anrufen, und nach Empfehlungen für Therapeuten fragen, die das eigene Störungsbild behandeln. Es ist super, wenn die Therapeuten länger in einer Klinik gearbeitet haben und Experten im eigenen Störungsbild sind.

Wenn ihr das Gefühl habt, dass eure Freunde oder Bekannten einen guten Therapeuten haben, fragt diese, ob der Therapeut gute Kollegen empfehlen kann. Wenn er ein guter Therapeut ist, wird er euch nicht auch nehmen, weil euer Freund bereits dort ist und es da zu ungutem Austausch kommen kann, da jeder Therapieprozess individuell ist.

Ich kann abschließend nur sagen, dass Therapie mein Leben mehrmals gerettet hat und ich bin unendlich dankbar für diese Unterstützung. Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Suche – es lohnt sich!

Bildquellenangabe: S. Hofschlaeger  / pixelio.de
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