Welt-Semicolon-Tag

„Ein Semikolon wird genutzt, wenn ein Autor seinen Satz eigentlich hätte beenden können, sich aber dafür entschieden hat, es nicht zu tun. Der Autor bist du und dieser Satz ist dein Leben“, schreibt „Project Semicolon“. Die Botschaft dahinter: Das Leben geht weiter. Ohne Punkt, dafür mit Komma. „Deine Geschichte ist noch nicht zu Ende!“ („Your story is not over“), so das Motto des Projekts.

Nicht alle Krankheiten haben Symptome, die Außenstehende sehen können: Sucht, Depression, Angststörung, Borderline. Oder eben auch Bipolare Störung. Für Betroffene scheint es oftmals nur eine einzige Lösung für ihr Seelenleiden zu geben – Selbstmord. Ein Schritt ohne Rückkehr. Jede*r Fünfte*r mit Bipolarer Störung vollzieht den Suizid, knapp die Hälfte aller Betroffenen haben suizidale Gedanken. An Menschen die Suizidgedanken haben richtet sich das Projekt.

„Projekt Semicolon“ wurde 2013 von Amy Bleuel ins Leben gerufen, nachdem ihr Vater Selbstmord begangen hatte. Sie selbst hat auch ihr Leben lang mit Mobbing, Missbrauch, Selbstverletzung und suzidalen Gedanken und weiteren Problemen zu kämpfen gehabt. Die Organisation „Project Semicolon“ ist vor allem durch das Semikolon-Tattoo, hauptsächlich über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Pintarest und Co. bekannt geworden. Betroffene und Angehörige lassen sich das Satzzeichen in verschiedensten Variationen tätowieren, um zu zeigen: „Das Leben ist noch nicht zu Ende.“ Es geht auch darum in der Öffentlichkeit Bewusstsein zu schaffen. Ähnlich wie das Symbol der „Grünen Schleife“ steht das Semicolon auch dafür zum Nachdenken über die Stigmatisierung von Menschen mit geistigen Problemen anzuregen.

Knapp 160.000 Fotos finden sich bereits unter dem Hashtag Semicolonproject auf Instagram (#semicolonproject). Es zeigt zahlreiche Betroffene, die im stillen Leiden und durch das Semicolon ihrem Leiden eine Stimme geben. Durch das Projekt sehen sie, dass sie nicht alleine sind und alleine leiden. Viele outen sich auch über ihre Tattoos, Bilder sind auch hierzu zahlreich auf instagram zahlreich zu finden.

Heute, am Welt-Semicolon-Tag, werden wieder viele Tattoos dazu kommen. Denn viele Tattoostudios weltweit tätowieren am Aktionstag das Symbol kostenfrei und helfen damit die Geschichte vieler Menschen fortzusetzen. Das Semicolon wird auch anderweitig bewusst zum Gedenken eingesetzt. Auch wir beteiligen uns an dem Projekt und haben ein Semicolon-Motiv in unserem Shop zur Verfügung gestellt.

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Über Flo 93 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

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