Was soll dieser Blog?

Liebe*r Leser*in!

Als bei mir feststand, dass ich an Bipolarer Affektiver Störung erkrankt bin, hatte ich zweifelsfrei gemischte Gefühle.

Einerseits war ich erschrocken, dass ich offenbar seit Jahrzehnten undiagnostiziert daran litt, andererseits war ich froh, dass ich nun eine Erklärung zu vielen phasenweise auftretenden auffälligen Verhaltensweisen von mir hatte. Ich freute mich zudem über die Botschaft, dass man behandelt relativ gut „symptomfrei“ leben kann.

Doch was heißt das eigentlich? Was sind Symptome? Wie stellen die sich im Detail dar? Was kommt nun auf mich zu? Welche Therapien muss ich machen? Was für Tabletten nehmen? Wozu eigentlich? Wieso meinen Lebensstil ändern? Wie verändert das mein Umfeld? Fragen über Fragen. Ich recherchierte im Netz und wurde mannigfaltig fündig. Es gibt zahlreich Informationen zum Thema Bipolarität. Einheitsbrei, oftmals oberflächig. Nicht tiefgehend genug. Was mir auch fehlte war eine häppchenweise Aufbereitung. Eine mit Meinungen und konkreten Handlungs-Tipps. Kategorisiert. Ich wurde in den USA fündig. Der dortige Blog von „bphope“ bot genau das, was ich erwartete. Auch schonungslose Berichte über die Auswirkungen der Symptome. Und wie diese in den Griff zu bekommen sind. Hierzulande eher verpönt, so mein Eindruck. Denn es wird nur hinter vorgehaltener Hand über einige Symptome gesprochen, obwohl sie Viele betreffen.

Im Kontakt und Austausch mit anderen an Bipolarer Affektiver Störung erkrankten wurde mir immer bewusster, auch sie vermissten eine Plattform die Informationen aus dem sogenannten „Trialog“ nicht aus wissenschaftlicher Sicht – eher sachlich nüchtern – darstellte, sondern wünschten sich ergänzendes „Edutainment“, Themenaufbereitung in anderer Erzählweise und Aufbereitung. Ergänzend zu bestehenden Informationsseiten, nicht als Ersatz. Und genau das bietet „bphope“, so die einhellige Meinung. Im deutschsprachigen Raum bislang Fehlanzeige, ein solches Projekt.

Ein Projekt das Hoffnung gibt. Weil die Berichte aufzeigen, wie Andere mit der Krankheit klar kommen. Weil Artikel zeigen, was man tun kann, um zu entspannen. Weil in Kategorien reflektiert werden kann, ob diese Stimmungsbilder auf einen selbst zutreffen und man die Chance hat dann gegenzusteuern. Wie gesagt, in Deutschland, Österreich, Schweiz bislang Fehlanzeige.

Genau diese Lücke soll www.stimmungsJo-Jo.de schließen! Der Name symbolisiert das Auf und Ab der Störung.

Es ist der Versuch beteiligungsorientiert als „Mitmach-Blog“ den Trialog zu leben und plastisch mit einer Mischung aus Entertainment und Bildung zur Aufklärung über Bipolare Affektive Störung beizutragen. Gleichzeitig dient der Blog der Anti-Stigma-Arbeit, ohne dabei eine „statische Kampagne“ zu sein. Als Community versteht sich www.StimmungsJo-Jo.de nicht, soll also nicht in Konkurrenz treten zur DGBS-Mitgliedschaft. Die Arbeit des DGBS wird von hier Bloggenden respektiert und als wichtig angesehen. In dem Sinne ist Jede*r Willkommen mitzumachen und sich mit einzubringen. Als Betroffene*r, Angehörige*r oder Profi.

Mir selbst dient die Arbeit am Blog als Hilfestellung in der Selbstbeobachtung und damit natürlich auch als eigene vertiefende Psychoedukation, denn zur Themenaufbereitung muss ich mich mit verschiedenen Aspekten der einzelnen Themenkomplexe intensiver auseinandersetzen. Und zudem dient der Blog mir auch als Instrument um für mich selbst eine beruhigende und sinnvolle Aufgabe (neben meiner Erwerbsarbeit) zu haben. Dies hilft mir mich und meine Lebensweise bewusst zu strukturieren. Ein weiteres und wichtiges Anliegen ist es mir auch gegen Stigmatisierung anzugehen. Auch bei Selbststigmatisierung von Betroffenen möchte ich einen Beitrag zur Überwindung leisten. Nur wenn Betroffene dazu stehen, dass sie Betroffene sind, dann hört irgendwann die Stigmatisierung in der Gesellschaft auf.

In meiner Vita sind an der Bipolaren Affektiven Störung bereits zwei Ehen zerbrochen. Aus diesen sind meine beiden Kinder hervorgegangen. Ich widme diesen Blog meinen Kindern, Anna Maria und Vincent. Sie haben so als meine Angehörigen die Möglichkeit sich darüber zu informieren „was Papa hat“. Und sollten sie selbst mal Betroffene sein, dann haben sie ein Instrument mit allerlei Informationen aus erster Hand zur Verfügung. Auf jeden Fall können sie sehen, was ist. Der Große jetzt schon, die Kleine später einmal. Wenn der Wissenstransfer bis dahin gelingt. Das sollte das Ziel sein. Bis dahin möge der Blog wachsen und für uns Alle entstehen, was uns Allen hilft: Hoffnung.

In diesem Sinne!

Viel Spaß beim Stöbern!

Dein

Flo

 

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Über Flo 94 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

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