Was ist der Unterschied zwischen bipolarer und unipolarer Depression

Eine von drei Personen erhält statt der Diagnose einer Bipolaren Störung fälschlicherweise die Diagnose einer Unipolaren Depression. Das sagen wissenschaftliche Studien aus. Das ist fatal, denn die Behandlung einer unipolaren Depression unterscheidet sich von der einer bipolaren Depression. Die mit der falschen Diagnose einhergehende Verzögerung der richtigen Behandlung kann negative Konsequenzen nach sich ziehen, einschließlich eines erhöhten Suizidrisikos. Alle Menschen, die Hilfe wegen Depressionen suchen, sollten daher auch auf eine Bipolare Affektive Störung hin untersucht werden. Eine vollständige Familienamnamnese ist hierzu sinnvoll. Diagnostizierende Ärzte/Ärztinnen sollten sich daher genauestens nach dem Stammbaum erkundigen und das Vorhandensein von bipolaren Störungen in den Familiengeschichten abfragen. Aufgrund des Manie-Risikos, das durch Serotonin-bedingte Depressionsbehandlungen entsteht, sollte es verpflichtende Standards im Gesundheitswesen dafür geben, dass man wegen Depressionen um Behandlung suchende Personen nach einer bipolaren Vorgeschichte hin untersucht. Denn auch durch die Verschreibung eines Antidepressivums können Substanzen oder Lichttherapie bei einer depressiven Person mit bipolaren Störungen in der Familienanamnese dazu führen, dass eine Bipolare Erkrankung überhaupt erst entsteht, auch wenn in der Vergangenheit keine Anzeichen von Manie aufgetreten sind.

Die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, deren Neufassung kurz vor Veröffentlichung steht, hält hier Empfehlungen zur Vorgehensweise bereit. Es sollte so untersucht werden, dass Ärztinnen und Ärzte, die eine unipolare Depression diagnostizieren wollen, nach Kriterien suchen, die eine solche Diagnose ausschließen könnten. Das Ausschlussprinzip wird zur Diagnostik in der Leitlinie als Empfehlung zur Diagnostik dargestellt. Zum Beispiel würde jede*r, die/der keine manischen Episoden erlebt oder vor kurzem einen Tod in der Familie oder ein anderes lebensveränderndes Problem erlitt, wahrscheinlich nicht unter einer unipolaren Depression leiden. Tragische Ereignisse verursachen Traurigkeit und die negativen Gefühle können eine Zeit lang aufs Gemüt schlagen. Drogen- oder Alkoholsucht, sowie körperliche Krankheiten können ebenso Depressionen verursachen, sogar schwere Depressionen, ohne dass Symptome einer unipolaren oder bipolaren Depression auftreten.

Der Weg zu einer korrekten Diagnose beginnt also mit einer vollständigen Patient*innenanamnese. Und laut Dr. Vivek Singh, Associate Professor für Psychiatrie am Texas Health Science Center in San Antonio, auch mit dem Verständnis, dass die Antworten der Patient*innen durch verwirrende oder wertende Fragen verzerrt werden können. „Ihre Fragen bestimmen die Antworten“, sagt er mahnend an die Diagnosesteller*innen. Anstatt beispielsweise das risikobehaftete/impulsive Verhalten zu beurteilen, indem gefragt wird, ob Patient*innen festgenommen wurden oder auf andere Weise auf rechtliche Probleme gestoßen sind, sollten diese in Betracht ziehen, dass die Patient*innen möglicherweise riskanten/impulsiven Verhaltensweisen ausgesetzt waren, die möglicherweise rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Solche Fragen werden in der regel ausweichend, nicht ehrlich, beantwortet. Sogar das Wort „riskant/impulsiv“ hat einen negativen Touch, die die Antwort eines Patienten/ einer Patientin unangemessen färben könnte. Daher sagt Dr. Singh, man könne stattdessen fragen, ob ein Patient/ eine Patientin Entscheidungen getroffen hat, ohne an die Konsequenzen zu denken. „Die Leute fahren herunter, wenn Sie ein Verhalten beurteilen“, sagte er. Klingt logisch. Patient*innen scheuen außerdem auch, Familienangehörige zu verurteilen. Es wurde unlängst festgestellt, dass Patient*innen zögern, zu berücksichtigen, dass ein*e Verwandte*r möglicherweise eine bipolare Störung gehabt hat und das Verhalten des Familienmitglieds auf einen „Nervenzusammenbruch“ oder auf Probleme mit dem Temperament einer Person zurückzuführen ist. Auch andere Faktoren, die eine genaue Diagnose verfälschen können, gilt es zu berücksichtigen. Wie beispielsweise Scham Angaben zum Sexualverhalten zu geben oder zu aggressivem Verhalten, zu Antriebslosigkeit, usw.. Die gezielten, nicht wertenden Fragestellungen von den Diagnosegebenden sind daher von entscheidender Bedeutung.

Doch wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einer unipolaren und einer bipolaren Depression?

Eine der weltweit führenden Expertinnen auf dem Gebiet, Julie A. Fast, unterscheidet zuerst „normale Depressionen“ von denen die unipolaren oder bipolaren Ursprungs sind: >>Alle menschlichen Gehirne können an Depressionen erkranken, aber es gibt mehr als eine Art von Depression. Die häufigste Depression entspringt einer Situation, in der eine Person aufgrund einer Lebenserfahrung ein persönliches Tief durchmacht. Diese Depression kann oft durch eine auf das Ereignis zugeschnittene Therapie, wie etwa eine Trauer-Beratung, behandelt werden. Im Gegensatz dazu gelten unipolare und bipolare Depressionen als genetisch bedingte Erkrankungen. Sie treten häufig ohne einen Auslöser wie einer extremen Lebenserfahrung auf und benötigen in der Regel einen eher medizinischen als therapeutischen Ansatz.<<

Depressionen werden laut Fast oft als weinerlich, traurig und hoffnungslos beschrieben. Dies sei jedoch nur eine Art von Depression. Die andere Depression, gereizte Depression, sei wütend, negativ und klagend. Menschen mit gereizter Depression würden oft nicht behandelt, da sie als zickig, unhöflich oder arrogant eingestuft würden. Gereizte Depression könne sich beispielsweise ausdrücken im Treten und Schreien. Oder in Aussagen wie „Ich hasse jeden!“ Lass mich in Ruhe! “, so Fast. Sowohl unipolare als auch bipolare Depressionen können laut der Expertin entweder eine typische Depression oder eine gereizte Depression sein.

Im zweiten Schritt unterscheidet Fast die zwei genetischen Stimmungsstörungen. Unipolare Depression und Bipolare Affektive Störung. Sie stellt fest, dass unipolare und bipolare Depressionen die gleichen Symptome teilen, es jedoch drei wesentliche Unterschiede gibt:

  1. Bipolare Depressionen sind episodischer als unipolare
  2. Bipolare Depressionen befinden sich immer am Rande einer Manie
  3. Wegen der Manie unterscheidet sich die bipolare Depressionsbehandlung von der unipolaren Depressionsbehandlung

Unipolare und bipolare Depressionen sehen auf einer Depressionsskala also gleich aus. Die Art, wie eine Person denkt, spricht und handelt, wird dieselbe sein. Der Hauptunterschied besteht in den Therapieansätzen aufgrund der Verknüpfung der bipolaren Depression mit der Manie. Unipolare Depressionen können die sehr wirksamen Behandlungen auf Serotoninbasis, wie Antidepressiva (Selektive Serotoninwiederaufnehmer – SSRI), Aminosäure-Ergänzungen und Licht-Therapie, sicher nutzen. Bipolare Depressionen müssen bei der Anwendung von Serotonin-Behandlungen sehr vorsichtig sein, da sie wie eingangs bereits beschrieben zu Manien führen können.

Die Symptome einer unipolaren Depression stimmen mit denen einer bipolaren Depression überein und können Folgendes umfassen:

  • Depressive Stimmungen fast jeden Tag länger als zwei Wochen
  • Verlust des Interesses an den meisten Aktivitäten für längere Zeit
  • Reizbare, aggressive Stimmungen
  • Gewichts- oder Appetitveränderungen
  • Schlafprobleme, Schlaflosigkeit
  • Änderungen bei Aktivitäten, Konzentration oder Arbeitsleistung
  • Energieverlust
  • Selbsthass oder eingebildete Schuld
  • Selbstmordgedanken oder morbide Gedanken

Dysphorische Manie ist eine bipolare Depression mit bipolarer Manie

Wenn sich bipolare Depression mit der Energie der Manie verbindet, wird das Ergebnis als dysphorische oder gemischte Manie bezeichnet. Anders als die fröhliche, positive Stimmung der euphorischen Manie ist die dysphorische Manie eine energiegeladene Depression. Sie aufgrund der Mischung aus negativen Depressionsgedanken und der Energie der Manie gefährlich. Dysphorische Manie ist besonders gefährlich, wenn eine Person suizidal ist, da die Trägheit einer weinerlichen Depression durch die Manie energetisiert werden kann und die Entscheidung, sich selbst oder andere zu schädigen, mit der Energie umgesetzt werden kann.

Unterschiede in der Behandlung um Ausbruch einer Manie zu verhindern

Substanzen, die bei einer Depressionsbehandlung zu vermeiden sind, wenn man bipolar erkrankt ist, sind beispielsweise ADHS-Medikamente, Steroide, Hormone und das THC in Cannabis, da bekannt ist, dass alle zu Manie führen. Auch Johanniskraut wirkt kontraindiziert (mit gegenteiligen Effekt). Unipolare und bipolare Depressionen sind Erkrankungen, die beide auf natürliche Behandlungen wie Therapie, Bewegung und gesunde Ernährung ansprechen können. In vielen Fällen ist die Depression jedoch stärker als das, was die Natur uns als Werkzeug gibt. Die Einnahme eines Medikaments zum Beispiel bei anhaltender suizidaler Depression kann lebensrettend sein. Wenn das Gehirn nicht richtig funktioniert, können Medikamente helfen, unsere Chemie wieder auf Kurs zu bringen. Dabei gilt es jedoch immer zu bedenken, dass unipolare Depressionen anders zu behandeln sind, als bipolare Depressionsepisoden.

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Über Flo 85 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

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