Was Du nicht zu Menschen in Depressionsepisoden sagen solltest!

Jemanden mit Bipolarer Affektiver Störung zu unterstützen heißt auch Rücksicht auf seine/ihre Stimmungsbilder zu nehmen. Manche Menschen trivialisieren Depressionen (oft unbeabsichtigt), indem sie gegenüber einer von Depression betroffenen Person eine Plattitüde fallen lassen. Ganz so, als ob dies die einzige Sache wäre, die sie nun hören müssten. Plattitüden heilen Depression aber nicht. Im Gegenteil, sie können Betroffene noch mehr krank machen, indem sie sie kränken. Außerdem ist das eine Diskriminierung von geistig Kranken. Menschen in Depressionsepisoden haben Krankheits-Symptome wie völlige Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Freudlosigkeit oder Kontaktscheue. In jedem Fall gibt es da viele Verhaltensweisen die auf den ersten Blick wie Faulheit, Nachlässigkeit, Arroganz, oder Unverbindlichkeit wirken – sind sie aber nicht. Sie sind Ausdruck der Krankheit. Jemandem mit gebrochenen Bein würde man auch nicht sagen,: „Nun stell Dich nicht so an, lauf doch endlich den Marathon mit, das wird schon.“

Wir haben uns daher umgefragt und wollten wissen, was Betroffene auf gar keinen Fall hören wollen bzw. nicht mehr hören können, wenn sie sich in einer Depression befinden.

Das sind 50 Sätze die es gilt – so, oder so ähnlich – zu vermeiden:

  1. „Was ist Dein Problem?“
  2. „Bist Du ein Mann oder eine Memme?“
  3. „Soll ich Dir in den Hintern treten?“
  4. „Du denkst, du hast Probleme …“
  5. „Du hast es so gut – warum bist Du nicht glücklich?“
  6. „Du bist zu hart mit Dir selbst. Hör auf, so ein Perfektionist zu sein.“
  7. „Mimimi – hast wohl wieder Männergrippe!“
  8. „Das ist das Leben – gewöhne Dich daran.“
  9. „Will der Pascha noch etwas gebracht bekommen?“
  10. „Es gibt eine Menge Leute, denen es schlechter geht als Dir.“
  11. „Jeder hat mal einen schlechten Tag.“
  12. „Wirst Du dieses ständige Jammern irgendwann wieder aufhören? „
  13. „Du bist was Du denkst.“
  14. „Jetzt zeig doch mal Eier.“
  15. „Du ziehst mich mit Dir runter.“
  16. „Denk einfach nicht darüber nach.“
  17. Warum denkst Du, dass es Jemanden interessiert, was du hast? „
  18. „Kopf hoch, das wird schon wieder.“
  19. „Warum wirst du nicht endlich erwachsen?“
  20. „Bist Du von deinem Ego-Trip schon müde geworden?“
  21. „Bekomme Dich endlich in den Griff.“
  22. „Geh raus an die frische Luft.“
  23. „Du musst mehr rausgehen.“
  24. „Es tut Dir immer leid für Dich.“
  25. „Das ist alles nur in Deinem Kopf.“
  26. „Der Einzige, den Du verletzt, bist Du selbst.“
  27. „Such Dir was zu tun.“
  28. „Ich dachte, du bist stärker als das.“
  29. „Ich weiß, wie Du dich fühlst – ich war auch einmal mehrere Tage lang depressiv.“
  30. „Geh raus und hab Spaß.“
  31. „Niemand hat jemals gesagt, das Leben war fair.“
  32. „Warum lächelst Du nicht mehr?“
  33. „Hör endlich auf, Dich selbst zu bedauern“
  34. „Worüber bist Du so bedrückt?“
  35. „Es ist doch gar nicht so schlimm“
  36. „Warum kannst du nicht einfach normal sein?“
  37. „Du bist einfach nur unreif.“
  38. „Du siehst doch gar nicht deprimiert aus!?!“
  39. „Du wirst viele Freunde verlieren, wenn du nicht aus dem Knick kommst.“
  40. „Du suchst doch nur Aufmerksamkeit.“
  41. „Eine Person in Deinem Alter sollte die Zeit seines Lebens haben.“
  42. „Du kannst alles tun, was Du willst, wenn Du Dich nur darauf konzentrierst!“
  43. „Du hast Dir das selbst eingebrockt.“
  44. „Du machst Dir immer nur Sorgen um Deine Probleme.“
  45. „Versuch einfach ein bisschen härter zu sein.“
  46. „Mein Leben macht auch keinen Spaß.“
  47. „Auch dieser Tag wird vorübergehen.“
  48. „Jeder hat sein Kreuz zu tragen.“
  49. „Du bringst mich und andere in Verlegenheit.“
  50. „Du würdest Dich besser fühlen, wenn Du etwas abnehmen würdest.“

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Über Flo 81 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

1 Kommentar

  1. Viele der Statements sind doch Ausdruck der Hilflosigkeit von Freunden und Partnern und Familienangehörigen. Wie können sie auch fühlen, was Betroffene fühlen. Es ist Aufgabe von ihnen das rüber zu bringen.

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