Was ist die Ursache?

Derzeit kann die Frage nach den Ursachen für eine Erkrankung an Bipolarer Affektiver Störung nicht final beantwortet werden. Es wird von einer „multifaktorellen Genese“ ausgegangen, sprich mehrere Faktoren sollen für die Entstehung verantwortlich sein. Die genetische Komponente wird dabei als relativ stark eingeschätzt, sie soll Grundlage für eine erhöhte Anfälligkeit sein. Umwelteinflüssen (u.a. stressvermittelt) und Charakteristika der Persönlichkeit wird eine weitere entscheidende Rolle eingeräumt. Viele detaillierte Befunde einzelner Mechanismen sind derzeit für die Entstehung Bipolarer Affektiver Störung bekannt, jedoch lässt sich derzeit kein genaues wissenschaftliches Erklärungsmodell für die Ursache sowie die Entstehung und Entwicklung der Krankheit formulieren.

Im Kern werden folgende Ursachenfaktoren benannt, wobei Menschen unterschiedlich anfällig (vulnerabel/verwundbar) sind:

Genetische Prädisposition (Genetische und Biologische, Chemische Faktoren): 

Bei Verwandten ersten Grades tritt die Bipolare Affektive Störung etwa sieben mal häufiger auf als im Verhältnis zu anderen Familienangehörigen, wie Vergleichsstudien belegen. Ist ein Elternteil erkrankt, dann steigt das Risiko eines Kindes auf 10% ebenfalls an der selben Störung zu erkranken. Sind beide Elternteile erkrankt, liegt das Risiko bereits zwischen 40-50%. bei eineiigen Zwillingen ist die Wahrscheinlichkeit bei 60%, dass die/der andere Zwilling erkrankt ist, wenn es Eine*r von Beiden ist. Es handelt sich jedoch um keine klassische Erbkrankheit. Verschiedene Gene die auf Chromosomen liegen die wichtig sind für Noradrenalin, Serotonin sowie für die Plastizität des Nervensystems tragen zu Bipolarer Affektiver Störung bei. Viele Menschen weisen Veränderungen in diesen Genen auf. Sind bei einem Menschen zahlreich solcher Gene verändert, dann ist man anfälliger für das Störungsbild der Bipolarität. Der genetische Anteil ist übrigens bei Bipolarer affektiver Störung größer als bei Unipolarer Depression. Die Zwillingsstudien „BILSAT und GOSAT“ belegen die genetische Anlage für Bipolare Affektive Störung (Stand. 2014)

Bei den chemischen Botenstoffen, den sogenannten Neurotransmittern, diese sind bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt, gibt es bei Patient*innen mit Bipolarer affektiver Störung Veränderungen. Der Neurotransmitterhaushalt ist Durcheinander. An Noradrenalin und Serotonin mangelt es bei Betroffenen in depressiven Episoden. Die Empfindlichkeit und Dichte der Rezeptoren, auf die die Neurotransmitter einwirken, ist verändert. Eine erhöhte Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin liegt hingegen bei Menschen vor die sich in einer Manie befinden. Auch Jahreszeiten und Lichtmenge beeinflussen den Neurotransmitterhaushalt, daher können Krankheitsepisoden auch entsprechend auftreten, „Winterdepression“ sei hier als Beispiel genannt.

Sozialisationsfaktoren (Psychosoziale Faktoren):

Frühkindliche traumatisierende Ereignisse, wie beispielsweise frühe Scheidungen, sexueller oder körperlicher Missbrauch, Vernachlässigung oder schwere körperliche Erkrankungen können zu psychischen Erkrankungen wie Bipolarer affektiver Störung führen bzw. bei einer entsprechenden individuellen familiären Vorbelastung eine solche mitverursachen. Schulbildung und Prägung des Umfeldes spielen eine Rolle für die Verwundbarkeit für die Störung. Für bipolare Affektive Störung sind Stress und psychische Belastung (positiv wie negativ) die Auslöser. Umwelteinflüsse aus der direkten Umgebung sind daher maßgeblich mitursächlich. Auf psychosozialen Stress wie Partnerschaftskonflikte, Wohnungswechsel und Arbeitsplatzproblemen können so Betroffene viel sensibler reagieren als Nicht-Betroffene. Die jeweilige Prägung ist daher für die Anfälligkeit an bipolaren Episoden zu erkranken entscheidend. Eine entsprechende bewusste Lebensführung ist deswegen für Betroffene wichtig. Hinreichender und regelmäßiger Schlaf (ein unregelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus ist zu vermeiden), kein Alkohol- und Drogenkonsum, tägliche Bewegungen, ausgewogene Ernährung und bewusstes „Abschalten“ seien hier als Beispiele genannt. Es gilt Stressoren, sogenannte Trigger/Auslöser zu entlarven und zu vermeiden.



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Über Flo 77 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

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