Ostern ante portas. Angst vorm Fest?

Dissen mit dem Osterhasen

„Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Osterhase!“, wie oft habe ich das als Kind gehört!?! Sehr oft. Nun könnte man daraus Rückschlüsse auf eine nicht so schöne Kindheit schließen, denn schließlich wurde ich im Kindergarten und auch außerhalb damit ziemlich oft gedisst. Oft auch von meinem Zwillingsbruder – das war damals in meinem Kopf wirklich hart für mich. Denn irgendwie war da dann immer ein schauriges Gefühl, wenn ich an den Osterhasen dachte. Fast schon gruselig. Ich war echt ein Angsthase. Wie gut, dass solche Probleme heute nicht mehr in meinem Kopf existieren. Und sicher in vielen anderen Köpfen mit dem Älterwerden auch verloren gegangen sind.

Osterlamm nach überstandenem Glutofen geköpft

Schlimmer noch ist es sogar gewesen, wenn ich mich an das Osterlamm erinnere. Meine Mutter hatte zu Hause immer ein Osterlamm als Kuchen gebacken und eine „Papierfahne“ in den Rücken des zuvor mit reichlich Puderzucker gesüßten Teigtieres gesteckt. Dieses Lamm gab es oftmals in mehrfacher Ausführung. Wohl deswegen, damit sich der Kauf der Kuchenbackform auch rentierte. Ich erinnere mich noch, wie ich dabei zusah, wie die Form immer wieder ihren Weg in den Ofen fand. So schlimm das auch war zu beobachten – das Osterlamm im heißen Ofen – so war es noch viel schlimmer, dass das Osterlamm auch immer und immer wieder geköpft wurde. Die Vorstellung an sich war für mich stets ein Gedanke, den ich versuchte zu vermeiden. Dabei war es nur Kuchen, der da Portionsgerecht in Teile geschnitten wurde. Auch dieser Schauder wurde bei mir, und sicherlich auch bei vielen Anderen, mit der Zeit weniger, bis er schließlich ganz verschwand. Ostern verbinde ich also stets mit zwei erfolgreich besiegten Kindheitstraumata. Dem fiesen Osterhasen, der zum Angsthasen kommt und dem geköpften Osterlamm. Diese Ängste sind zum Glück überwunden.

Jesus‘ Auferstehung ganz normal

Nun bleibt da aber immer noch die Komorbidität von Ängsten zu meiner Störung. Habe ich da überhaupt eine? Gibt es da noch was zu Ostern? Das frage ich mich nun, so kurz vor dem Fest der Auferstehung Jesu Christi – kurioserweise hatte ich davor nie Angst. Vor der Auferstehung eines grausam zu Tode gefolterten Mannes. Auch heute nicht, da bin ich sicher. Schließlich ist „The Walking Dead“ eine meiner Lieblingsserien. Und da hagelt es nur so an Wiederauferstehungen von Mordopfern. Das kann es also nicht sein. Besteht also nun noch irgendeine andere Angst vor Ostern? Vielleicht die des Alleineseins? Das werde ich sehen. Glaube ich aber nicht, im Moment.

Schokolade macht zu glücklich

Dann bleibt nur die vor dem Osterhasen, dem Schoko-Osterhasen – möglicherweise!?! Klar, normalerweise erfreuen sich Schoko-Osterhasen eigentlich großer Beliebtheit. Schließlich bestehen diese meist aus zarter Schokolade und die ist wiederum für viele mit Genuß verbunden. Je nach Schokohasenexemplar ist dem auch wirklich so. Aber was ist, wenn die Schokolade schlecht oder qualitativ minderwertig ist? Oder wenn statt Vollmilchschokolade Bitterschokolade im Osterkörbchen hinterlegt wurde. Oder wenn der Osterhase gar aus weißer Schokolade besteht? Oder aus ganz anderen süßen Zutaten? Hmm. Fragen über Fragen. Als echte Angst würde ich diese Fragen jedoch nun wirklich nicht sehen. Gut, da wäre noch die Angst vor dem Zahnarztbesuch. Der kann schließlich eine Folgeerscheinung vom Schokohasenkonsum sein. Das ist aber ein kalkuliertes Risiko.

Gedankenkreisen: Anleitung zum Unglücklichsein

Schlimmer wird’s dann aber schon, wenn ich daran denke, was tatsächlich passieren kann. Denn zuviel Zucker und Schokolade kann meinen Ernährungsplan durcheinander bringen und eine Episode begünstigen. Zunehmen wäre für mich nicht so schlimm. Aber, dass Schokolade glücklich macht könnte ein Problem werden. Schokolade wirkt schließlich ziemlich stimmungsaufhellend. Und zu Ostern ist man wegen des Frühlings oft schon am Kämpfen mit der Hypomanie. Die kann sich dann zu einer ernsthaften Episode der Manie auswirken, wenn andere ungünstige Faktoren dazu kommen. Aber Schokolade ungünstiger Faktor? Hmm. Kann sein. Ostern ist also wirklich eine echte Anleitung zum Unglücklichsein, wenn man es darauf anlegt und sich entsprechend mit Nonsens quält. Über alles könnte ich mich sorgen, statt mich auf das Fest und die Feiertage zu freuen. Vielleicht muss ich mich dann begleitend zur Angst vor der Manie auch mit der Angst einer möglicherweise parallel auftretenden Psychose beschäftigen und bekomme dann Halluzinationen?!? Schwups. Und plötzlich sehe ich an Ostern ganz andere Dinge. Der Osterhase kommt auf dem Fahrrad angerast.

Das wäre dann eine echte Angst. Die Angst vorm Rabbit Cycling.


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Über Flo 88 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

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