Neue S3-Leitlinie erschienen

Ganz unspektakulär und ohne großes Tamtam wurde die neue „S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen“ auf der Website der „Klinik & Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden Carl Gustav Carus“ veröffentlicht und zum Download zur Verfügung gestellt.

Das 590 Seiten umfassende Update wurde bereits im Februar final fertiggestellt und Ende März in der finalen Fassung der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter der Projektleitung von Professor Dr. Dr. Michael Bauer und der Projektkoordination von Professor Dr. Andrea Pfennig wurde in mühevoller Kleinarbeit mit zahlreichen Ehrenamtlichen und weiteren Helfer*innen – an dieser Stelle Danke auch von uns – die Aktualisierung des neuen Diagnose- und Therapiestandards zusammengetragen.

In Arbeit befindet sich derzeit noch eine Variante für Betroffene (Patient*innen) und Angehörige. Diese soll noch 2019 erscheinen. Das aktuelle Werk richtet sich nämlich in seiner Umfänglichkeit und der fachlichen Ausdrucksweise nach eher an die Bezugsgruppe Behandler*innen, also Professionelle, wie Psychiater*innen, Psychotherapeuth*innen, Ärztinnen und Ärzte, Ergotherapeuth*innen, usw..

Eine aktualisierte App-Version für Smartphones noch in 2019 erscheinen, die letzte stammt von 2012 und entsprach der letzten großen Ausgabe der Leitlinie. Seitdem wurden bis zur jetzt neu erschienenen Ausgabe lediglich kleinere Veränderungen vorgenommen.

Kapitel:

    1. Einleitung und Methodik
    2. Epidemiologie, Ätiopathogenese, Prognose und Prävention
    3. Trialog, Wissensvermittlung, Selbsthilfe, Peer-Support
    4. Klassifikation und Diagnostik inklusive Früherkennung
    5. Therapie
    6. Spezifische Situation: Suizidalität
    7. Versorgung und Versorgungssystem
    8. Gesundheitsökonomie
    9. Konzept für Verbreitung und Einführung der Leitlinie, Qualitätsmanagement, Gültigkeitsdauer und Überarbeitung

Die Kapitel beinhalten jeweils Unterkapitel. Die PDF-Datei ist so konzipiert, dass man im Inhaltsverzeichnis durch Mausklick direkt auf das jeweilige Kapitel/Unterkapitel kommt.

Die meisten Veränderungen gegenüber 2012 gab es im Bereich Therapie und Medikation, beispielsweise was die Empfehlung bei Psychotherapie bei Suizidalität angeht. Hier wird auch auf die S3-Leitlinie zur Behandlung unipolarer Depression hingewiesen. Es wird stärker bei den Therapie-Empfehlungen für Typ I und Typ II differenziert, sowie eben verstärkt auf die depressiven Aspekte eingegangen und die Notwendigkeiten anderer Behandlungsansätze. Es wurden  insgesamt die jeweils neuesten wissenschaftlichen Kenntnisse zu Therapie- und Medikation mit eingearbeitet. Politisch wird auf die Versorgungsknappheit in der Bundesrepublik mit Nachdruck hingewiesen, das begrüßen wir sehr, da durch den Engpass überall lange Wartezeiten für Behandlungen die Regel geworden sind. Verwiesen wird beispielsweise auf Großbritannien, wo eine bevölkerungsnahe Versorgung flächendeckend umgesetzt ist. Besonders die ambulante psychiatrische Unterversorgung wird kritisiert. Diese gilt es zu stärken um den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Herausgeberinnen sind erneut die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN).


Download: S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen


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Über Flo 86 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

1 Kommentar

  1. Voll interessant. Bin schon gespannt auf die Patienten-Version. Berichtet bitte, wenn sie erscheint.

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