Kurz & knapp: Psychiater*in? Psychotherapeuth*in? Wer macht was?

Manche Dinge machen uns verrückter als wir sowieso schon sind, so könnte man meinen. Das kann soweit gehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die es triggern kann, wenn jemand mit Fachbegriffen um sich schmeißt. Ich habe neulich meinen Anwalt sagen hören, dass er einen Klienten hatte der nicht unterscheiden konnte, was der Unterschied zwischen einem Psychotherapeuten und einem Psychiater ist. Das habe ihn – meinen Anwalt – gereizt. In dem Moment dämmerte mir, dass es vielleicht Anderen auch so gehen könnte und dies Hemmungen für den Weg zu professioneller Hilfe begünstigen könnte. Die Unwissenheit bestimmter Begrifflichkeiten. Schließlich gibt es viele „Psychos“, wie den Psychiater, die Psychologin, den Psychoanalytiker, die Psychopharmakologin, den Psychotherapeuten. Da kann man schon mal den Überblick verlieren.

Psychotherapeut*in

Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff. Alle Fachleute, die dafür ausgebildet sind, psychisch Erkrankte zu behandeln, finden sich unter diesem Oberbegriff wieder. Eine fachkundige Weiterbildung in der Psychotherapie hierzu erforderlich. Deswegen kann der Psychotherapeut, die Psychiaterin, der Psychologe und andere, die je nach Ausbildung und akademischem Grad mit Gruppen, Paaren, Familien oder Einzelpersonen interagieren. Psychotherapeuten diagnostizieren und behandeln Betroffene nach wissenschaftlichen Methoden. Eine staatliche Zulassung ist in Deutschland erforderlich (Approbation), zunächst muss ein Studium der Medizin oder Psychologie abgeschlossen werden, um dann die Weiterbildung machen zu können. Bei Kinder- und Jugendlich-Psychotherapeuten wird auch ein Studium der Pädagogik oder der Sozialpädagogik anerkannt. Heilpraktiker*innen dürfen sich nicht Psychotherapeut*innen nennen. In Österreich ist die Bezeichnung zwar auch geschützt, ein Studium ist aber nicht Voraussetzung für eine Fortbildung zum Psychotherapeuten. Auch Krankenpflegerinnen, Soziologen und Publizistinnen dürfen die 5 jährige zusätzliche zweistufige Ausbildung besuchen. In der Schweiz sind Ärzt*innen und Psycholog*innen zur Therapiebehandlung zugelassen.

Psychiater*in

Psychiater*innen haben einen medizinischen Abschluss, so wie Allgemeinärzt*innen auch. Sie dürfen deswegen im Gegensatz zu den meisten Psychotherapeut*innen Psychopharmaka (Medikamente) zur Behandlung verschreiben. Viele Psychiater*innen bieten lediglich das Diagnostizieren von psychischen Erkrankungen und die Verschreibung von Medikamenten und die zugehörige Überwachung an. Man nennt diese daher auch Psychopharmakolog*innen. Sie begleiten also nur mittels Psychopharmakotherapie. Betroffene müssen in dem Fall zusätzlich für Gesprächstherapien Psychotherapeut*innen aufsuchen. Traditionelle Psychiater*innen praktizieren jedoch auch Psychotherapie. Meist findet sich da dann auf der Visitenkarte die Bezeichnung „Psychiater und Psychotherapeut“.

Psycholog*in

Psycholog*innen haben an einer Hochschule (Universität oder Fachhochschule) in Psychologie promoviert und entweder ihr Diplom absolviert oder ihre Master-/Bachelorarbeit bestanden. Psycholog*innen finden sich oftmals in der empirischen Wissenschaft wieder, die sich mit Erleben und Verhalten von Menschen beschäftigt. Sie arbeiten in der Forschung und widmen sich der vielfach der Studienarbeit an Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Psychoanalytiker*in

Psychoanalytiker*innen sehen sich vielfach als Humanwissenschaftler*innen. Sie erforschen das Unbewusste im Menschen und betrachten die Moderne Psychoanalyse als eigenständige und umfassende Humanwissenschaft. Die Psychoanalyse, wie sie zuerst von Sigmund Freud erfunden wurde, ist die einzige Methode, die mit Unbewusstem arbeitet – Motivationen und Abwehrmechanismen, die außerhalb unseres Bewusstseins liegen und deshalb schädliche Muster wiederholen. Die Couch, „freie Assoziation“, „Traumanalyse“ und „Übertragung“ sind allesamt ausschließliche Grundsätze der Psychoanalyse. Das unglückliche Klischee vom stummen Therapeuten, der nur über die Kindheit  sprechen möchte, kommt aus diesem Modell heraus. Die Psychoanalyse unterscheidet sich von anderen Formen der Psychotherapie (z. B. der kognitiven Verhaltenstherapie) dadurch, dass sie umfassender ist und den Schwerpunkt auf das Erkennen von Problemen legt, anstatt lediglich die Symptome zu lindern.

Psychopharmakolog*in

Psychopharmakologie untersucht und beschreibt die Wirkungsweisen von psychoaktiven Substanzen bei Mensch und Tier auf das zentrale Nervensystem, sowie deren Anwendungen mit therapeutischer Zielsetzung. Psychopharmakolog*innen arbeiten daher in der Regel entweder als Spezialist*innen bei der medikamentösen Einstellung, Behandlung und deren Überwachung bei Betroffenen, sowie oftmals in der Forschung, wie beispielsweise in der Psychopharmakogenetik, in der genetische Zusammenhänge erforscht werden.


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Über Flo 92 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

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