Bipolare Störungen und Schlafmuster

Viele Nicht-Betroffene wissen es nicht. Eines der Hauptmerkmale bzw. Symptome bei bipolaren Störungen sind Schlafstörungen. Allgemein glaubt man, „himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“ bedeutet, dass Betroffene entweder „gut drauf“ oder „schlecht gelaunt“ sind. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Erstaunen herrscht, wenn man von den Schlafstörungen und dem Ausmaß davon berichtet.

Schlafstörungen sind jedoch tatsächlich ein wesentliches Merkmal einer bipolaren Störung und eines von mehreren Kriterien, die zur Diagnose herangezogen werden, da sie ein häufiges Symptom von Manie und Depression sind.

Betroffene, die sich in einer manischen Phase befinden, schlafen häufig tagelang nicht oder nur wenig, weswegen sie allmählich gereizter oder wahnhafter werden. Wenn sie im depressiven Stadium sind, könnten Betroffene hingegen fast den ganzen Tag lang schlafen. Jedoch weisen bipolare Menschen auch dann Schlafstörungen auf, wenn sie gerade nicht unter Symptomen der psychischen Erkrankung leiden, in sogenannten euthymen Phasen (auch Remissonsphase). Aber bipolare Störungen und Schlaflosigkeit und der damit verbundene Schlafverlust sind nicht nur ein Symptom der Manie. Ein reduzierter Schlaf kann auch zu manischen Episoden führen und ist ein guter Indikator für das Auftreten von Manie.

Die depressive Phase der bipolaren Phase ist durch Hypersomnie gekennzeichnet, in der eine Person längere Zeit schläft oder häufig den ganzen Tag über Nickerchen macht. Diese Unregelmäßigkeit in den Schlafmustern erhöht dann das Risiko für neue Manie- oder Depressionsepisoden.

Generell neigen bipolare Menschen dazu, vor, sowie während einer manischen Phase weniger zu schlafen. Sie leiden zudem unter Schlaf-Latenz. das bedeutet, dass sie länger brauchen um einzuschlafen, sogar während einer euthymen Phase. Zudem haben viele mit einer zu kurzen Schlafdauer zu kämpfen. Das bedeutet, dass sie nicht lange genug durchschlafen, um sich wirklich zu erholen. Das Hauptkennzeichen des Schlafs, das mit dieser psychischen Erkrankung in Verbindung gebracht wird, ist jedoch die Schwankung des Schlaf-Fragmentierungs-Index.

Schlaf-Fragmentierung und bipolare Störung

Warum ist die Schlaf-Fragmentierung mit hoher Schwankung ein wichtiges Kennzeichen der bipolaren Störung? Der Schlaf-Fragmentierungs-Index gibt an, wie oft ein Gehirn in der Nacht stimuliert wird, wodurch Schlafrhythmen unterbrochen werden. Betroffene neigen dazu, einen sehr fragmentierten Schlaf zu haben und Stimulierungen treten zufällig und zu unvorhersehbaren Zeiten auf. Das kann zu Schlafentzug und chemischen Ungleichgewichten führen, selbst wenn der Betroffene acht oder mehr Stunden geschlafen hat. Aus Gründen, die noch nicht verstanden wurden, haben Menschen mit bipolarer Störung sozusagen empfindlichere Körperuhren bzw. innere Uhren.

Psychiater*innen sagen ihren Patient*innen oft, dass adäquater Schlaf schon die halbe Behandlung bei einer bipolaren Störung sei. Weitere Therapien, um den zirkadianen Rhythmus zu stabilisieren, könnten Menschen ebenfalls dabei helfen, die Symptome dieser psychischen Erkrankung in den Griff zu bekommen. Melatonin stellte sich zum Beispiel als hilfreich bei Schlaf-Latenz heraus und könnte somit eine effektive zusätzliche Behandlungsmethode bei einer bipolaren Störung und weiteren psychischen Krankheiten sein, die mit Schlafstörungen in Verbindung stehen. Lichttherapie könnte eine weitere sinnvolle Option darstellen.

Die Behandlung von Schlafstörungen und die Aufrechterhaltung eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Zyklus sind deshalb wichtige Komponenten bei der Prävention von Stimmungsschwankungen bei bipolaren Störungen.

 


Quellen:

Rating: 5.0/5. Von 1 Abstimmung.
Bitte warten...
Über Flo 94 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*