Aggressionen: Online-Tool schätzt Gewaltrisiko ein

OxRisk, ein Projekt der Gruppe Forensische Psychiatrie und Psychologie an der renommierten University of Oxford, hat auf wissenschaftlicher Basis vier frei verfügbare, webbasierte Risikorechner für Gewaltprognosen (Zeitraum: jeweils für die kommenden zwölf Monate) entwickelt. Sie basieren auf Studien die sich mit der Vorhersehbarkeit und Berechnung von Gewalttaten durch psychisch Kranke beschäftigt haben.

Die vier Kategorien:

Bei den jeweiligen Rechnern wird das prozentuale Risiko berechnet, mit dem es in den kommenden 12 Monaten zur Gewaltausübung durch die/den psychisch Kranke*n kommen könnte. Hierbei sind insbesondere Menschen mit Schizophrenie oder Bipolarer Affektiver Störung als Bezugsgruppe inkludiert. Auch wenn gemäß Studien psychisch Kranke wesentlich häufiger selbst Opfer von Gewalt werden, als dass sie selber Gewalt ausüben, so ist es ab und an symptomatisch für die jeweiligen Erkrankungen, dass es zu tätlichen Angriffen kommen kann. Die Krankheitssymptome Chronische Gereiztheit und Ungeduld, gepaart mit anderen Umweltfaktoren, die als Auslöser/Trigger Betroffene ansprechen, können je nach Situation einen Verlust der Impulskontrolle bewirken. So kann es zu Gewalt gegen Andere oder gegen sich selber kommen. Das sind meistens dann die Szenen, die der Boulevard reißerisch darstellt und damit weiter zur Stigmatisierung psychisch Kranker beiträgt.

Das Online-Tool berechnet nun anhand von Eingaben das Risiko, mit dem an Gewaltdelikten von Betroffenen psychischer Erkrankungen zu rechnen ist.

Ein höheres Risiko für Gewalttaten besteht statistisch gesehen beispielsweise:

  • wenn der Betroffene männlich ist
  • wenn die/der Betroffene bereits wegen eines Gewaltdelikts verurteilt wurde
  • wenn die/der Betroffene nicht psychotisch behandelt wird
  • wenn die/der Betroffene sich in stationärer Behandlung befindet
  • wenn die/der Betroffene Suchtmittel konsumiert oder Alkoholabhängig ist
  • wenn die/der Betroffene jünger ist
  • wenn die/der Betroffene seine Medikation nicht nimmt

Die errechnete Prozentzahl gibt einen statistischen Wert aus und kann selbstredend nicht das Individuum an sich berücksichtigen. Jedoch gibt es somit eine wissenschaftlich fundierte Berechnungsbasis, an der sich beispielsweise auch Gerichte für Prognosen orientieren können.


Quelle: https://oxrisk.com/


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Über Flo 76 Artikel
Flo ist gebürtiger Münchner und nach wie vor in der Isarmetropole "dahoam". Mit 38 Jahren wurde bei ihm die Diagnose "Bipolare Affektive Störung" gestellt. Als "manisch-depressiver" hat er in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Episoden erlebt, konnte diese jedoch undiagnostiziert und in Unwissenheit der verschiedenen Symptome zum Störungsbild bis zum Tag der "Entdeckung" nie wirklich einer Krankheit zuordnen. Komische Verhaltensweisen konnte er sich daher nicht erklären und verdrängte diese. Der Ahnung, dass was nicht stimmen könnte, wich er im Alltag wegen dieser Unwissenheit somit stets aus. Und so blieb lange Zeit unentdeckt, was längst entdeckt hätte werden sollen. Heute ist Flo in Behandlung und er hat damit die Chance auf ein episoden- und damit symptomfreies Leben. Er ist nicht nur Betroffener, sondern auch Angehöriger. Mehrere Familienmitglieder sind von bipolarer Affektiver Störung betroffen. Die Erfahrungen und das Wissen das er nun im Umgang mit der Krankheit und im Austausch mit anderen Betroffenen erwirbt und erworben hat teilt er nun in diesem Blog. Damit das Wissen um diese Störung in unserer Gesellschaft mehr Zuspruch finden kann. Für die Entstigmatisierung von Betroffenen. Und es soll anderen helfen sich schneller zurecht zu finden. Betroffenen und Angehörigen. Denn je umfangreicher ein Wissen um Bipolare Affektive Störung jeweils ist, desto besser kann gegen Störungsepisoden angegangen bzw. diesen vorgebeugt werden. Von Betroffenen und auch von Angehörigen.

1 Kommentar

  1. Das kann man sicher nicht gerichtsverwertbar nutzen. Die deutsche Justiz wird nicht freiwillig auf ihre Gutachter verzichten. Da verdient schließlich eine ganze Industrie mit.

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